sunset power of a walk

Gehen als Kraftquelle: Wie einfache Schritte deinen Körper und Geist revitalisieren

Warum habe ich diese kleinen täglichen Spaziergänge eigentlich nicht schon früher öfter gemacht? Das ist die Frage, die ich mir genau in diesem Moment stelle, während ich hier oben auf diesem kleinen Hügel stehe – gar nicht weit von dem Dorf entfernt, in dem ich wohne. Und das nicht zum ersten Mal in diesem Jahr: Seit drei Wochen gehe ich jeden Tag für eine kleine Wanderung nach draußen, und folgendes ist mir aufgefallen...

Es ist faszinierend: Ich stehe völlig allein hier oben. Den kurzen Aufstieg zum Gipfel habe ich gar nicht richtig bemerkt, bin in meinem eigenen Rhythmus hochmarschiert, stehe menschenseelenallein am höchsten Punkt und genieße den weiten Blick über die Insel Mallorca. Die Sonne ist gerade untergegangen und ich frage mich erneut: Warum habe ich mir diese kurze tägliche Auszeit in der Natur nicht schon früher gegönnt?

Es ist ein kalter Tag auf der Insel und ich bin warm angezogen. In der goldenen Stunde kurz vor Sonnenuntergang bin ich losgewandert; die Farben der Landschaft wirken weich und harmonisch. Der anfängliche Weg vorbei an ein paar Fincas mit Schafen, Eseln und Ziegen mündet irgendwann in einen kleinen Pfad, von dem aus der kurze Aufstieg beginnt. Jetzt wird es etwas anstrengender, mein Körper ist endlich gefordert, die Muskeln in meinen Beinen arbeiten auf Hochtouren und ich merke, wie mir wärmer wird.

Wenig später bin ich oben und spüre ganz intensiv meinen Herzschlag, meine Atmung – selbst mein gesamter Kreislauf scheint zu arbeiten, während ich einfach vor mich hinträume und die Aussicht im Abendrot mit seinen letzten Lichtstrahlen und den intensiven Farben genieße. Für einen kurzen Moment bin ich völlig weg, spüre eine starke Energie in mir, die mich mit Kraft erfüllt. Es ist ein wundervoller Augenblick, den ich nicht tiefer wahrnehmen könnte.

Ich schweife ab und es kommt mir so vor, als würde ich in diesem Moment an gar nichts denken. Hektik, Sorgen und Probleme des Alltags sind für einen Atemzug wie weggeblasen, als gäbe es sie gar nicht. Es ist wie eine Droge: Ich spüre den Wind im Gesicht, höre das Rauschen der Blätter und das Zwitschern der Vögel, rieche die Natur – und obwohl es kalt ist, friere ich nicht.

Und dann plötzlich: Stille. Nichts als Stille! Ich blicke ein letztes Mal in das Abendglühen und mache mich langsam auf den Heimweg. Es ist schon fast dunkel; vorsichtig steige ich den Pfad wieder hinab und konzentriere mich Schritt für Schritt. Meine Gedanken kehren langsam zurück, aber sie wirken jetzt geordneter und strukturierter. Die Unruhe, die mich tagsüber noch beherrscht hat, ist nicht mehr da. Neue Gedanken strömen durch meinen Kopf, aber diese fühlen sich jetzt anders an – irgendwie leichter…

Am Ende meiner kleinen Reise wird mir wieder einmal bewusst, dass das Rausgehen in die Natur schon immer heilsam für mich war. Eine Zeit lang hatte ich es etwas aus den Augen verloren, und ich bin froh, dass ich es jetzt wieder für mich entdecke. Kleine Wanderungen oder Spaziergänge kosten keinen Cent – nur einen kleinen Ruck, um aufzustehen. Es zeigt mir immer wieder, wie essenziell es ist, sich zu bewegen, an der frischen Luft zu sein, abzuschalten und neue Energie zu tanken.

Vielleicht geht es dir manchmal genauso wie mir?

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